Begründet Glauben

Begründet Glauben

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00:00:01: Ja, ich habe den Titel so ein bisschen zugespitzt.

00:00:10: Egläse und Demokratie – ein kritisch konstruktives Verhältnis.

00:00:16: Sie finden die Gliederung und so ein paar Grundaussagen im Hand-Out, das wie ich hoffe allen vorliegt.

00:00:28: Als Vorwort eine Bemerkung zur Demokratiebegeisterung der großen Kirchen.

00:00:36: Ich denke, es ist nicht zugewagt zu behaupten dass die allgemeine demokratiebe Geisterung in den Kirchen unseres Landes wohl nie so groß war wie heute.

00:00:48: Nicht wenn man zurückdenkt seit der Weimarer Republik und die Entwicklungen die dazu geführt haben.

00:00:54: da waren Vertreter von Theologie und Kirche noch eher mehrheitlich skeptisch Und das hat sich heute komplett gedreht bis hin zu dem Eindruck, den man zumindest in manchen Kirchen der EKD heute gewinnen kann.

00:01:07: Dass da vielleicht mindestens so viel Demokratie also Volksherrschaft gepredigt wird wie die Herrschaft Gottes.

00:01:18: Sollte das nun Anlass zur Freude sein oder uns eher Sorge bereiten?

00:01:24: Freude war beide Herrschaftsweisen eine intrinsische Beziehung miteinander aufweisen.

00:01:31: Sorge, weil die Herrschaft Gottes doch letztlich etwas anderes ist als der Herrschaft des Volkes.

00:01:38: Meine kurze Antwort, die ich dann länger entfalten darf – sowohl also auch!

00:01:44: Ja es gibt tatsächlich eine intrinsische Beziehung zwischen der Weise wie Gott seine Herrschaft in der Egläsia ausübt und der weltlichen Regierungsform der Demokratie.

00:01:57: Und nein, diese Beziehung ist nicht von der Art wie sie meist heute aufgefasst wird.

00:02:03: Beruend nämlich auf einer vermeintlichen Strukturanalogie eines demokratischen Urimpulses, die sich auf beide Seiten hin entfalten müssen.

00:02:14: Wir werden sehen dass Theologisch gesprochen überhaupt keine Verfassungsform imperativ ist weder die Monarchie als im Mittelalter gern gedacht wurde wegen ihrer Appelthaftigkeit der Regentschaft des Herrschers mit der Regentschaft Gottes, noch die Demokratie wie heute gern gedacht wird wegen der Bedeutung des Beteiligungsimperatives aller.

00:02:38: Vielmehr hoffe ich zeigen zu können dass die Theologie uns dazu verhilft die jeweiligen Bedingungen unter denen eine Staatsform gedeihen kann besser zu verstehen jenseits ideologischer Voreingenommenheit.

00:02:54: Das gilt auch für unsere Demokratie, deren Erben wir ja sind.

00:02:58: und damit die Frage zugespitzt was braucht es?

00:03:02: Damit diese Staatsformen der dankbaren Nutzniese wie seit dem Ende der Teurenei der Nationalsozialisten in unserem Lande ja sind gesund und zukunftsfähig zu halten.

00:03:12: Was sind die Bedrohungen, die es zu sehen gilt und wie können wir ihnen begegnen?

00:03:19: Achtung Leute!

00:03:20: Demokratie in Gefahr.

00:03:24: immer Öfter bekommen wir heute ja diese Warnung zu hören.

00:03:27: Ich hatte auch kürzlich mal, ich glaube bei einem Besuch in Berlin ein Handyfoto gemacht von so einem großen Plakat Achtung Demokratiengefahr.

00:03:35: Das ist leider doch vergessen mitzubringen.

00:03:37: Aber was ist eigentlich gemeint wenn von der Gefährdung unserer Demokratie die Rede ist?

00:03:44: Meist stehen Drohsszenarien von Außen vor Augen.

00:03:49: Gefahr droht von mächtigen autokratischen Regimen im Osten oder von bestimmten Gruppen auch im Land von außerhalb oder zumindest von den scheißesten Rändern des demokratischen Spektren agieren mit dem Ziel unsere Demokratie zu destabilisieren und mittelfristig vielleicht auch andere autokratische Regierungsformen ersetzen.

00:04:11: Gewiss, es gibt diese Gefahren nicht putins territoriale Aggression oder Chinas aggressiv ökonomische Expansionsbestrebungen und natürlich auch die furchtbare AfD.

00:04:23: da brauchen wir uns gar nicht groß drüber unterhalten.

00:04:31: Wie immer man aber jetzt eben einzeln darüber denkt, denke ich dass eine Frage bei diesen Szenarien eher zu kurz kommt auf die ich heute das Augenmerk gerne lenken würde nämlich die Frage nach möglichen Bedrohungen der Demokratie von innen also die Frage den möglichen Umkippen der Demokratie.

00:05:02: Nicht so wie Gewässer umkippe können, die von Zufluss von Frischwasser abgeschnitten werden besteht auch für die Demokratie die Gefahr sich gewissermaßen an sich selbst zu verschlucken.

00:05:14: Dieser Fragehorizont hatte bereits die antiken Staatsphilosophen beschäftigt.

00:05:20: Plato und sein Schüler Aristoteles haben in ihren Untersuchungen von Staatsverfassungen ja nicht nur alternative Modelle analysiert – gestern schon mal angeklungen sondern auch danach gefragt, wie die Entwicklungsbedingungen innerhalb einer jeweiligen Verfassung zum Umkippen in jeweils benachbarte Andere führen können.

00:05:42: Die dann als Degenerationsform der Ursprünglichen erscheinen.

00:05:48: Und für beide großen Staatsphilosophen galt die Demokratie nun als eine Verfassungsform, die tatsächlich in Gefahr steht, in die Tyrannis umzukippen.

00:05:59: Nicht wenn die Bürger, wie Plato anschaulich gemacht hat immer ungehämter ihrem Freiheitsdrang fröhnen und Gesetze des Landes immer mehr diesem Drang unterwerfen anstatt umgekehrt den Freiheitstrang der gesetzlichen Ordnung.

00:06:15: Dann wird der Boden bereitet für den Hof nach dem sprichwörtlichem starken Mann dessen Machtergreifung die Wiederherstellung dann von Law & Order verspricht.

00:06:26: Aufgrund dieser Anfälligkeit der Demokratie hatte Aristoteles eine Staatsverfassung den Vorzug gegeben, die er Politik nannte und die in den atischen Stadtstaaten seinerzeit weitgehend verwirklicht war.

00:06:40: Eine parlamentarische Form der Selbstregierung der vielen, die allerdings nicht die ganze Bevölkerung fasste sondern nur die freien Bürger mit Wahlrecht.

00:06:51: Da Aristotle das Kippen einer Selbstregierung ins Tyrannische insbesondere durch den Einfluss der magurgischen Manipulation gesehen hatte, dem die Massen leicht zu erliegen pflegen, galt ihm das KIP-Risiko gewissermaßen als geringer wenn tatsächlich die Gruppe der freien Bürger regierte.

00:07:11: Die im Klammer gesagt eher weniger als ein Drittel der Gesamtbefeigerung in der antiken Polis ausmachte.

00:07:18: Denn für diesen freien Bürgern sollte angenommen werden, dass ihr Wohlstand die Versuchung ferner rücken würde.

00:07:25: Die Verfolgung des Allgemeinwohls mit persönlichen Bereicherungshinteresse zu mischen.

00:07:31: und weil die Freien gerade auch frei von der Mühsalte arbeitbar waren, die andere für sie erledigt haben.

00:07:43: Konnten Sie sich neben der politischen Tätigkeit auch der Pflege der Philosophie widmen?

00:07:48: in der die großen Fragen reflektiert werden, die die Staatslinkung braucht.

00:07:55: Die Begründer der politischen Philosophie waren sich also einig in ihrer relativem geringen Achtung der Demokratie aufgrund der Überzeugung dass der Demos das Staatsvolk niemals qualifiziert genug sein würde das Gemeinwohl im Staatswesen wirksam zu befördern.

00:08:15: Das Volk als Masse verlangt immer nach Brot und Spielen, ist getrieben von kurzfristigen Erfüllungsansprüchen unfähig in jenen größeren Horizonten zu denken.

00:08:25: Die es braucht um ein Staatswesen dauerhaft wohlständig zu erhalten.

00:08:31: Eine Regierung durch das gesamte Staatsvolk könne man nicht vertrauen so die Überzeugung der Antiken Weil diese bei Mehrheitsentscheiden immer dominiert würde von der unverständigen grauen Masse, gegen die die Argumente der Verständigten im Staat sich nicht würden durchsetzen können – weil dem niedrigen Volk die Kapazitäten fehlen, diese Argumnte in rechter Weise zu verstehen und zu gewichten.

00:09:00: Darum zielte etwa Platus Vorstellung vom Idealstaat auf eine Regierung durch die Philosophen Die Elite nicht der Reichsten oder der Mächtigsten, sondern der Verständigsten.

00:09:15: Nun fast forward!

00:09:18: Können wir sagen dass die moderne Demokratie ein gewisserweise versucht diese strukturelle Schwäche auszugleichen indem sie sich mit einem dezidierten Imperativ zur politischen Bildung des Wahlvolks verbindet.

00:09:33: Nicht wählen dürfen nur volljährige Bürger und Bürgerinnen Und die Notwendigkeit von Bestrebungen zu Mündigkeit des Elektorats wird ausdrücklich anerkannt.

00:09:45: Nun denke ich, dass für diese Mündigkeit drei Aspekte wesentlich sind.

00:09:53: Erstens ein freier Zugang zu den wesentlichen Informationen im politischen Gemeinwesen.

00:09:58: Zweitens Überzeugungen mit denen sich diese Information entsprechend einordnen und gewichten lassen.

00:10:06: Und drittens die Möglichkeit seine Stimme im demokratischen Diskurs aktiv einzubringen.

00:10:12: Und jeder dieser drei Aspekte enthält.

00:10:14: nun Herausforderungen und auch aktuelle Einfallszonen für Bedrohungen.

00:10:21: Das kann man jetzt kurz halten, da ich erwähne nur suggestiv ein paar Aspechte.

00:10:28: Beim freien Zugang zu relevanter Information hat man ja nicht umsonst die Freie Presse gern als vierte Gewalt im Staat bezeichnet neben Legislative Judikative und Exekutive.

00:10:42: Das Informationszugang zu stärken hat man in der Nachkriegsdemokratie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit seinem politischen Neutralitätsgebot etabliert.

00:10:53: Und die Gefährdungen nur in diesem Bereich liegen heute ja ganz offen auf der Hand, wenn immer häufiger beklagt wird das ORR mit politischer Schlagseite dazu tendiert, den Bildungsauftrag mit einem Erziehungsauftakt zu verwechseln und dabei seinen verfassungsmäßigen Auftrag verfehlt, den Tendenzmedien des Blätterwalds ein neutrales Gegengewicht zu setzen.

00:11:20: Und ich dann geht diese Klage natürlich auch einher mit dem spürbaren Vertrauensverlust in die öffentlich-rechtlichen.

00:11:27: Und der Bildung einer Szene alternativer Online-Medien und den Algorithmisch gestorbenen sogenannten Bubbles, in denen immer stärker hermetische Meinungskomplexe gefördert werden zwischen denen und ihren Gläubigen oder Vertretern kaum mehr ein sinnvoller Diskurs entstehen kann.

00:11:50: Stichwort Zugang zum freien Diskurs Am anderen Ende der Liste der Bedingungen für ein mündiges Wahlvolk also dieser freie Zugang zu den öffentlichen Debatten um das Gemeinwohl.

00:12:03: Auch hier stehen Bedrohungszenarien vor Augen, konzentriert etwa im Phänomen der Cancel Culture in der die Diskussion immer weniger um Sachthemen geführt werden als vielmehr darüber wer überhaupt mitreden darf und wem man dagegen kein Forum einräumen dürfen.

00:12:23: Und diese Debatten haben längst die nächste Stufe der Übertretheit erreicht wenn gefordert wird auch diejenigen vom öffentlichen Diskurs auszuschließen, die mit solchen diskutieren den man keine Stimme geben darf.

00:12:37: Ein junges Beispiel etwa war die Diskussion des typiker Oberbürgermeisters mit einem AfD-Vertreter.

00:12:47: So wichtig die beiden genannten Aspekte freier Zugang zur Information und freie Zugang zu dem vorn des demokratischen Meinungsaustages sind so bleibt doch der Aspekt in der Mitte der wichtigste und gleichzeitig der am schwierigsten zu bewerkstelligende.

00:13:05: Die für das florierender Demokratie bestehende Notwendigkeit, dass Bürgerinnen im Dialog und in ihren Handlungen von Überzeugungen geleitet sind – also nicht nur von oberflächlichen Meinungen sondern von tiefsitzenden Haltungskomplexen, denen erlauben die erhaltene Information innerhalb eines Wertehorizons einzuordnen und zu Gewichten die sie dazu antreiben, am demokratischen Diskurs aktiv teilzunehmen.

00:13:33: Weil es ihnen um Wichtigeres geht als um das reklamieren Partikularer Interessen.

00:13:42: Und hier ist nun der Punkt an dem wir sagen können dass die Demokratie gleichzeitig ihre potentiell größte Stärke und größte Schwäche hat.

00:13:51: Nicht Sie kann robust sein wenn in ihr genügend viele und überzeugungsgeleitete Menschen unterwegs sind insbesondere dann, wenn sie eine genügend starke kritische Masse bilden in einer Richtung unterwegs zu sein.

00:14:09: Ich erinnere hier an Hannah Arendt's These der Bildung von genuiner politischer Macht durch das Zusammenhandeln vieler.

00:14:17: und wenn wir die Geschichte der ersten modernen Demokratie, insbesondere in Nordamerika.

00:14:23: uns ansehen ist schon augenfällig wie sehr diese von starken Überzeugungstättern getragen war.

00:14:31: Nicht, also diese Gründerväter waren eben überzeugt von einigen wesentlichen Grundelementen.

00:14:41: Nicht dass die der Staat die Freiheit der Bürger garantieren muss vor allem die Freiheit ihrer Regierungsausübung deren Ermangelung ja viele der Gründerväter Generation auch zum Verlassen der alten Welt getrieben hatte.

00:14:53: Die Überzeugung das gewählten Volksvertreter unter der Herrschaft des Rechts zu agieren haben.

00:14:58: dass die Transzendenz des Rechts auf der Souveränität eines göttlichen Gesetzgebers fußt, auf dessen Güte das Staatsvolk vertraut in God we trust.

00:15:11: Und dass das Prinzip der Rechenschaftspflicht der Volksvertreter als letztlich in der Rechenchaftspficht vor Gott verankert ist, die jedem Menschen

00:15:18: zukommt.".

00:15:22: Die Demokratie ist also auch Bürger und Bürgerinnen mit belastbaren substanziellen Überzeugungen angewiesen – doch wo sollen diese herkommen?

00:15:33: von Projekten der politischen Bildung, die in Schulen und Angeboten zur Erwachsenenbildung verankert wird.

00:15:40: Hier tritt freilich die Schwierigkeit vor Augen, die uns näher an den Kern des Problems der strukturellen Bedürftigkeit der Demokratie führt – die Einsicht nämlich gefördert durch abschreckende Beispiel wie etwa die Staatsbürgererziehung in der DDR -, dass politische Bildung nicht von den jeweils an der Macht befindlichen Akteuren gesteuert werden

00:16:00: darf.".

00:16:01: also von Regierungen oder regierungsnahen Institution, sondern ihnen gegenüber eine gewisse Unabhängigkeit bewahren muss.

00:16:12: Oder anders gesagt die Demokratie braucht mündige Bürger und Bürgerinnen.

00:16:16: aber der Staat kann diese Mündigkeit nicht selbst generieren Sondern ist dafür angewiesen auf zivilgesellschaftliche Agenturen Nicht zuletzt die Kirchen in denen Überzeugungen gepflegt werden ohne die eine solche Bürgermündigkeit schwer vorstellbar ist.

00:16:35: Nicht etwa die Überzeugung, dass auch Andersdenkende gehört werden – das man der Wahrheit verpflichtet ist und diese nicht für sich selbst gepachtet hat!

00:16:46: Und dass das allgemein wohl nicht mit Particularinteressen identifiziert werden darf und sein es die eigenen.

00:16:57: Mit der Weisheit der ersten Vertreter der politischen Philosophie im Hintergrund können wir also zugespitzt sagen für ein demokratisches Gemeinwesen geht, also gewissermaßen vom Demos selbst aus.

00:17:11: Die Demokratie ist eine Verfassungsform die alles auf die Karte des mündigen Wahlfolges setzt ohne die alles ins Kippengerät.

00:17:19: zugleich muss ein demokratischer Staat aber sich darüber im Klaren sein dass er diese Mündigkeit seiner Bürgerinnen und Bürgern nicht selbst generieren kann Und dies auch gar nicht versuchen sollte.

00:17:33: Die Demokratie ist ein höchst fragiles Gebild, anspruchsvoll in ihrer Struktur.

00:17:41: Sie umfasst ja immer eine Verfassung auf der einen Seite und eine politische Kultur auf der anderen.

00:17:47: Und nur wenn diese politische Kultur lebendig erhalten wird – also die zivilisierten Umgangsformen des politischen Wettbewerbs gewahrt werden – kann die liberale Demokratie auch als Verfassungsform langfristig florieren!

00:18:05: Daraus folgt nochmal, für die Demokratie ist die primäre Bedrohung vielleicht gar nicht unmittelbar eine andere Verfassungsform.

00:18:12: Die sich ihrer Gewaltsam bemächtigen würde sondern zunächst eher das Umkippen in einer degenerierte Version ihrer selbst also eine Art Pseudodemokratie eine gemenge Lage von Kräften, die vielleicht unter dem Deckmantel des Schutzes und der Aufrechterhaltung demokratischer Werte und Prozeduren faktisch antidemokratische Tendenzen befördern.

00:18:41: Dabei ist es kaum zufällig dass dieser Zusammenhang insbesondere in der bundesdeutschen Variante der parlamentarischen Demokratie eine Rolle spielen dürfte, in der die Macht der Parteien traditionell besonders stark ist.

00:18:55: Nicht diese zu stärken war ja zunächst eine durchaus nachvollziehbare Lehre aus der Weimarer Republik, deren Verwundbarkeit auch in der starken Zirklüftung des Spektrums politischer Akteure gelegen hatte.

00:19:07: Der Mann durch die Stärkung der Parteien als einer Art prä-parlementarischen Forum von Konsensbewegungen beizukommen hoffte.

00:19:14: Mittlerweile muss man sich natürlich fragen ob die Dominanz der Partein im Spektuum der politischen Akteure aber auch selbst zu einer potentiellen Bedrohungsfaktor der demokratischen Kultur herangewachsen ist.

00:19:31: Also nur um zwei Beispiele zu nennen, wie steht es um die Freiheit in einer freien Presselandschaft wenn eine Partei wie die SPD Anteilseigner von mehr als dreihundert siebzig Printmedien im Land ist?

00:19:49: Das ist schon eine gewaltige Zahl.

00:19:53: Oder wenn demokratische Parteien oder Institutionen versuchen, unliebsame Mitbewerber von demokratischen Wahlen auszuschließen wie kürzlich geschehen im Fall der Landtagswahl in Niedersachsen?

00:20:09: Wenn wir also nach KIP-Faktoren suchen den antiken Vordenkern folgend für die Demokratie Dann müssen wir natürlich heute schauen, das können ja nicht unbedingt die gleichen sein wie die alten Staatsphilosophen damals gedacht haben.

00:20:29: Sondern muss man ein bisschen kreativ gucken und ich denke das erste was man hier sehen muss ist dass das Betreuungsszenario realistisch nicht den abrupten Umschlag von einer Regierungsform in andere vorsieht.

00:20:49: Die Gefahr ist eher, wie gesagt, dass sich die Demokratie schleichend in eine Zerrform ihrer selbst wandelt bevor sie substanziell so ausgehüllt und entkernt ist das die Tyrannis gewissermaßen eine leerstehende Wohnung vorfindet in die sich bequem einziehen lässt.

00:21:07: Was unsere besondere Wachsamkeit also verdiente wären schleichende Entwicklungen in denen unsere Demokratie in Gefahr steht, in so ne Abseudo-Demokratie zu mutieren.

00:21:22: Aus Toteles hatte ja diesen Entwicklungsschritt zur Zersetzung der Politik durch zunehmende Enteignung der Wohlhaben von verständigen Elite, durch die blindwütige Masse vor Augen gehabt.

00:21:36: Für die Selbstzersetzung Tendenzen der liberalen Demokratie unserer Tage würde ich inspiriert von wiederum Hannah Arendts Analysen der Ablösung der Vita Activa also des politischen durch die Vorherrschaft anderer Systeme der Vergesellschaftung in Moderne, ein anderes Szenario vor Augen stellen.

00:21:56: Nämlich die schleichende Ersetzung der politischen Kultur durch Ökonomisierung und Bürokratisierung.

00:22:05: Das klingt jetzt sehr abstrakt Aber vielleicht wird es ein bisschen plastischer Wenn wir sagen Die Gefahr ist tatsächlich dort wo die politische Verhandlung das Kernstück der Demokratie anstelle der gemeinsamen Erörterung, der Bedingungen und Handlungsformen die nötig sind um dem Allgemeinwohl zu dienen.

00:22:29: Zu einem bloßen Management der konfligieren Interessen in der Gesellschaft verkommen.

00:22:37: also das ist ein anderes Modell, ein Managementmodell von konfligierenden Interessen.

00:22:45: Ich glaube gesagt mich schaut jetzt immer wieder wenn ich jetzt aus der amerikanischen Szene höre die US Administration.

00:22:54: Das ist die Regierung gemeint, aber wird ja jetzt eine Verwaltung genannt.

00:23:01: Da denke ich es schon mal was verrutscht und das ist ja nicht erst seit Trump sondern schon lange.

00:23:08: Und ich denke nur da muss man aber jetzt nicht über den großen Teich gucken, sondern eine solche Tendenz ist auch verräterisch überall dort wenn sich Parteien als Interessenswalte einer jeweils bestimmten Klientel Also klassisch die SPD als Partei der Arbeiterschaft, die FDP als jeder Unternehmer und sofort.

00:23:29: Politische Amtsträge in einer parlamentarischen Demokratie sind aber nicht dazu berufen Interessenswalter ihrer Wählerschaft zu sein sondern eine allerwähler auch derer die sie nicht gewählt haben.

00:23:49: das kippen der Demokratie in einen Verwaltungsmodus konfligierender Interessen, der sich immer stärker durch Aufmerksamkeit auf Prozeduren als auf lebendigen Dialog konzentriert wird letztlich aber immer dem Recht des Stärkeren dienen.

00:24:14: Also denen nutzen die am lautesten Streien den Lobbygruppen, die den direktesten Zugang zu den Zentren der Macht haben und die stärkste Sanktionsgewalt auf das politische System ausüben können.

00:24:26: Also etwa Gewerkschaften, große Konzerne oder auch gesellschaftspolitische Pressure Groups.

00:24:33: Und gegen von Lippenbekenntnissen zum Ausgleich und zum Schutz der Schwächeren

00:24:38: etc.,

00:24:39: ist ein Managementmodell des politischen letztlich schon aus strukturellen Gründen – ich sage es mal zugespitzt – immer sozial- darvinistisch

00:24:50: unterwegs.".

00:24:54: Also letztlich dem Recht des Stärkeren dienend.

00:25:02: Drittens die Gefährdung der Demokratie durch ihre Eigenüberführungen in eine politische Religion.

00:25:09: Wir haben schon gesehen, das Schreckensbild ist also tatsächlich das Umkippen der Demokraties ins Totalitäre.

00:25:17: und hier denke ich müssen wir verstehen dass dieses Totalitere nicht automatisch das jenseits der Demokratien sein muss sondern dass die Demokratie selbst nicht immun ist gegen die Versuchung, die eigene Staatsform absolut zu setzen.

00:25:33: Dann nämlich wenn die Demokratien nicht nur als wertvolles Mittelpolitischer Kultur zur Erlangung der Ziele des politischen verstanden wird, sondern selbst als dessen Ziel – als Tellers im klassischen Sinn und Zweck!

00:25:49: Wenn die Demokratier nicht mehr auf das Bonum Kommune hin ausgerichtet verstanden wird, sondern selbst als das eigentliche Gut erscheint.

00:26:00: Dass es zu verteidigen gilt, kostet es was es wolle.

00:26:07: Was diesen empfindlichen Punkt anbelangt denke ich werden wir heute schon zeugen von Tendenzen die ein solches Kippen im Selbstverständnis der Demokratie ins Totalitäre befördern können.

00:26:20: Wenn Menschen in liberaler Gesellschaft immer weniger erlauben dass die wichtigsten Werte Transcendent sind immernente Werte gelten, also Interessen.

00:26:32: Wenn der Glaube an einen souveränen Gott schwindet und die Geltung seiner Gesetze für alle Menschen dann ist es ganz plausibel dass Menschen sich was ihrer sozusagen kollektiv anzustreben Güter anbelangt auf Aspekte wie etwa eine politische Verfassungsform konzentrieren können.

00:26:52: würde Erik Vögelins epokales Buch aus den dreißiger Jahren mit dem Titel die politischen Religionen heute geschrieben, wäre wohl die liberale Demokratie ein weiterer lohnender Untersuchungsgegenstand neben den Beispielen aus der Antike.

00:27:07: und dagegen war es Autors also Nationalsozialismus und Bolschivismus.

00:27:12: Und dies nicht weil die demokratiestrukturelle Gemeinsamkeiten mit denen aus diesen Ideologien hervorgegangen an heute geschichtlich diskreditierten Staatsmodellen hätte sondern auch sie der Versuchung gegenüber Immun ist, für die jene Ideologien stehen.

00:27:33: Nämlich die Selbstabsolutierung ihrer selbst bis zu hin zu einer Form dessen was Vögel ihn so schön genannt hat.

00:27:40: Kollektive Formen, säkulare Broskinese.

00:27:44: Also Broskines ist das Niederfallen.

00:27:47: Säkuläre Formen – Kollektivformen Entschuldigung also gemeinschaftliche Formen Niederwerfung vor einem vermeintlich höchsten gemeinsamen Strebensgut.

00:28:04: Also Gemeinschaftsbildende Rituale, quasi religiöser Verehrung von weltlichen Phänomen wie auch einer Staatsform Vorreiter jener religiösen Aufladungen der Demokratie war er seit Jahrzehnten üblich geworden Versuch westlicher hegemonial Mächte ihre demokratische Staatsform in alle Welt zu exportieren.

00:28:28: Zwar dürfte sich hier realpolitische Zynismus, wir sagen Demokratie in meinen Einfluss mit idealpolitischen Naivität.

00:28:37: Wenn Sie erstmal unsere demokratische Staatsform haben dann wird Ihr Leben automatisch besser?

00:28:43: Du hast die Waage gehalten haben.

00:28:44: beides freilich konnte eigentlich nur unter den kräftigen Winden segeln, die nur ein allgemein verbreiterter Glaube an die Demokratie aus dem Nutzerngrasen war.

00:28:58: Auch die zuletzt immer häufiger und immer unapologetisch vorgetragenen Forderungen die Demokratie mit immer brachialeren Mitteln zu schützen, Auftrittsverbote, Entzug des passiven Wahlrechts oder gar Parteiverbote lassen sich ohne eine quasi religiöse Aufladung im Allgemeinbewusstsein kaum erklären.

00:29:19: Dann verwundert es auch wenig wenn diese potentielle Neureligion zum Maßnahmen tendiert, die man in der Historie des Christentums zu den zeitweiligen Verirrungen zu zählen pflegte.

00:29:32: Inquisition, Stichwort Meldeportale für politisch inopportune Meinungsäußerung Ex-Kommunikation Auftrittsverbot Entzug der vorn allgemeiner politischer Meinungs äußerungen und drittens Indoktrination Stichworte vielen parteipolitisch geeichten Zivilgesellschaftlichen Institutionen der demokratischen Bildung.

00:30:00: Dazu die parlamentarische Anfrage im Bundestag kürzlich zur parteipolitischen Neutralität geförderte NGOs.

00:30:10: Die ohne Antwort blieb, nicht dass hier auch kein Missverständnis entsteht.

00:30:15: ich bringe diese Aspekte zur Debatte weil ich wie gemiss die allermeisten hier in Saal der Überzeugung bin das die liberale Demokratie und die politische Kultur diese befördert hat tatsächlich ein schützenswertes Gut ist.

00:30:31: Aber gerade deshalb gilt es auch dieses Gut vor einer bestimmten Art von selbstanandem Schützern und Schützerinnen, um ihren Ideologien zu schützen.

00:30:41: Denn lässt man sie gewähren, wird die Demokratie schleichend degenerieren oder letztlich kippen?

00:30:47: Erst in eine Zerrform ihrer Selbst- und schließlich durch substanzielle Entlehrung und prozedurale Entkernung Platz machen für eine feindliche Übernahme ob diese nun von außen oder von innen kommen.

00:31:09: Wenn wir uns nun der im engeren sind theologischen Betrachtung zu, die haben wir ja eigentlich unter dem Stichwort politische Religion also die Gefahr dass auch die Demokratie quasi religiös aufgeladen wird bereits anklingen lassen.

00:31:25: und die erste These ist ja auch schon angeklungen keine politische Verfassungsform ist an sich selbst sacrosantheologisch gesehen nicht von Anfang an haben Christenmenschen in verschiedenen politischen Systemen gelebt und darin ihren Glauben bewähren können, gewiss mit Unterscheidungen.

00:31:48: Mit mehr oder weniger Raum für politisches Engagement?

00:31:51: Mit mehr-oder-weniger Zustimmung für die Regierenden?

00:31:54: Mehr-und-der-wenigere Leidenspotenzial.

00:31:59: Gleichwohl gilt für Christenmensch ist keine Verfassung unmöglich – und keine Geboten!

00:32:06: Es gibt hier also keine absolute, wohl aber eine relative Präferenz relativ, also immer kontextuell je nach Zeit und Ort abhängig von der politischen Kultur die sich geopolitisch entwickelt hat.

00:32:24: Und für diese relative Präferenz in der demokratischen Verfassungsform lassen sich denke ich durchaus theologische Aspekte namhaft machen.

00:32:38: Diese liegen freilich weniger klar auf der Hand als viel vorangenommen wird.

00:32:42: Meist wird hier ja über so etwas wie einen gemeinsamen Wertekanon argumentiert, also Bedeutung von Freiheit und Mündigkeit

00:32:49: usw.,

00:32:49: sowohl im Pistenzum als auch in der Demokratie eine wesentliche Rolle spielen.

00:32:55: Dieses Bild einer Werteüberschneidung wird freilichen schnell diffus wenn man genauer hinguckt was denn jeweils nun unter Freiheit und Mündigkeit verstanden wird?

00:33:06: Je genau man hinschaut, desto schneller merkt man.

00:33:08: Das haben wir diesen Begriffen nicht notwendigerweise das gleiche gemeint ist.

00:33:12: Nicht wenn das Verständnis von Freiheit und Mündigkeit in den liberalen Demokratien des Westens immer mehr durch die Figur der absoluten Selbstbestimmung dominiert wird werden nach christlicher Auffassung Freiheit ihre Grenze nicht an der Freiheit des anderen sondern an seiner Unfreiheit findet.

00:33:30: Denken wir nur an Paulus und seine Diskussion um die starken und schwachen in der Gemeinde.

00:33:37: Also eure Freiheit bewährt sich gerade im Umgang mit den Schwachen, und nicht darin dass ihr sozusagen triumphalistisch als starke dasteht.

00:33:50: Während sich dieser Weg der theologischen Würdigung der Demokratie im Sinne einer Wertüberschneidung also als weniger zielführend erscheint tut sie aber eine andere Spur auf, auf die ich unsere Aufmerksamkeit gern leiten möchte.

00:34:02: Der Weg ist noch eher schmal, hierzulande auch nicht wirklich gut bekannt.

00:34:06: Verdankt sich einer der meines Erachtens wirklich wenigen konstruktiven neuen Forschungsaktivitäten in der Theologie der Gegenwart.

00:34:14: Ich spreche von Entdeckungen innerhalb der historisch-systematischen Eklisiologie die manchmal unter dem etwas ungenauen Stichwort Church as Police firmiert und deren Bedeutung für die politische Theologie erst ansatzweise furchtbar gemacht wurde.

00:34:31: Also zu nennen wären hier Namen von systematischen Theologen wie etwa Stanley Howard, John Howard Yoder, Bill Kavanaugh allesamt US-Theologen oder auch meine Wenigkeit sowie führe Studien des großartigen Neutestamentlers Eric Peterson.

00:34:51: Worum geht es in diesen Entdeckungen nun?

00:34:54: Kurz gesagt um die Entdecken der originären politischen Dimension der Kirche als Egläsia Schon die Selbstbezeichnung der ersten Christen ist hier ein Fingerzeig, wenn hier eben kein kultischer Terminus gewählt wurde.

00:35:13: Also im Sinn der Bezeichnung einer religiösen Vereinigung sondern dezidiert einen Begriff aus dem Bereich des politischen.

00:35:20: Eklésia meint im profangriechischen nämlich die Vollversammlung der Bürger des Gemeinwesens also etwa der griechischem Polis Und in Klammern gesagt, auch die oft gehörte Bedeutung von Ekaleo, die im Sinne des herausgerufen Seins erst der Welt ignoriert den originären Zusammenhang dieser Sprachhandlung.

00:35:47: Der nämlich darin bestand dass nur das er herrollt in der Polista Die Bürger aus ihren Häusern herausgerufen hat auf die Agorah den Marktplatz zur Ausübung ihrer Bürgerpflichten.

00:36:01: Im Sinne Eglésia, also der Vollversammlung aller Bürger.

00:36:07: Der politische Charakter der nachösterlichen Gemeinde Jesu wird in Epheser II, IX besonders eindrücklich artikuliert wenn die Gläubigen dort als Zitaten Mitbürger der Heiligen adressiert werden.

00:36:21: dabei wird die revolutionäre Neuheit dieser Egläsia im Kontrast bestimmt.

00:36:28: nun ist es nicht so wie bei der griechischen Eglécia wo nur geborene Vollbürger, männlich ab dreißig und so weiter dazugehören.

00:36:44: Sondern, sagt Paulus jetzt, ist halt ihr nicht mehr Fremdlinge Nichtbürger oder Beisassen Halbbürger sondern altes allesamt Vollbürgers in Gottes neuer Politäume an Gottes neuem politischen Gemeinwesen mit allen Rechten und Pflichten.

00:37:08: Dazu gehörten eben gerade auch Aldi, die die griechische Polis eben ausgeschlossen hatte.

00:37:13: wie Paulus sagt frei unsklafen Männer und Frauen Juden und Heiden machen diese neue Bürgerschaft Gottes aus die in der himmlischen Polis eigentlich besteht aber eine Vorabschattung auf der Erde hat.

00:37:35: Und nun ist diese neue Bürgerschaft allerdings auch nicht nur eine schöne Idee, sozusagen alle dürfen hier mit dabei sein.

00:37:45: Sondern muss sich auch bewähren im Vollzug.

00:37:48: und hier haben wir jetzt nun die Liturgia.

00:37:50: das griechische Wort aus dem Liturgi abgeleitet ist als gewissermaßen die charakteristische Aktionsform der Ecclesia.

00:38:01: Interessanterweise, auch hier wieder ein politischer Begriff gewählt und keiner aus dem Arsenal des Kultischen.

00:38:08: Leiturgier-Kompositum von Laos, Volk und Urgierwerk oder Dienst meint ursprünglich so etwas wie Volksdienst.

00:38:17: Dienst des Volkes Oder und am Volke.

00:38:22: Dabei war wesentlich dass alle Bürgerinnen und Bürger in jener neuen Politäer ihr Politeuma also ihr Bürgerrecht auch tatsächlich ausübten.

00:38:33: Wenn Paulus den urchristlichen Gottesdienst beschreibt, in Erste Gründer XIV, dann sagt er eben ganz ausdrücklich wenn ihr zusammenkommt also zum Gottesdienst.

00:38:43: Dann hat jeder und eine jede etwas beizutragen und psalmene Auslegungen usw.

00:38:54: Der Apostel könnte mir sagen zeigt sich hier dem politischen Grundsatz des Aristoteles verpflichtet, wonach es keine Bürger, kein Bürgerstatus ohne tatsächlich ausgeübtes Amt geben kann.

00:39:07: Und so gesehen wurzelt das seit der Reformationszeit betonte allgemeine Priestertum, in dem nur was wir Allgemeines Bürgertum der Gläubigen nennen könnten.

00:39:19: Wie es sich in der Leiturgier den Volksdienst der Eglésia vollzieht.

00:39:27: Alle Gläube haben also Anteil an der gemeinsamen Verfolgung des Bonum Kommune dieser Egläsia.

00:39:35: Dabei waltet laut Paulus in der Vollversammlung keine Hierarchie.

00:39:43: In seiner Leibmetaphorik, die wiederum von bestimmten Traditionen antikapolitischer Rhetorik übernommen wurde und entscheidend modifiziert, gilt nun auch für das Haupt – also den Leitungsdienst in der Gemeinde -, dass er sich anderen Gliedern gegenüber nicht als wichtiger oder gar als Zentralinstanz behaupten dürfe.

00:40:05: Auch die Leitung der Eglésia ist also ein gleichwertiges Amt unter Ämtern, welche allesamt als Dienste am gesamten Korpus verstanden werden.

00:40:16: Nun heißt es freilich dies, dass unter Bürgerinnen und Bürgern der Eklésia keine Hierarchie waltet.

00:40:22: noch nicht das sich die neue Polis Gottes als eine Art heilige Anarchie vorzustellen hätte – sie wird tatsächlich doch regiert!

00:40:35: Nur eben nicht von einem ihrer Glieder unmittelbar, sondern ist bei Paul das heißt vom Geist Gottes.

00:40:40: Der gewissermaßen von außerhalb der Egläsia kommend in ihr wirkt, in den Gliedern zwischen den Glidern im Sinn einer sympathetischen Relation.

00:40:51: Wenn ein Glied leidet, leiden die anderen

00:40:53: mit.".

00:40:55: Ich könnte Ihnen da noch sehr viel mehr Spannendes zur politischen Dimension verraten, verweise dazu auch gerne auf die Schriftenliste am Ende des Handouts.

00:41:07: Nun aber natürlich die Frage, auf die wir alle gewartet haben, was hat das jetzt mit der modernen Demokratie zu tun?

00:41:15: Einige Aspekte fallen natürlich gleich ins Auge wenn man die Charakteristika der antiken Egläsia wie sie sich in der neuen Egläsia Gottes manifestiert hat war Die Inklusivität, alle gehören da dazu.

00:41:39: Alle getauften.

00:41:41: Der Unterbeteiligungsimparativ jeder und jede hat etwas beizutragen.

00:41:48: Das geht natürlich sehr stark in Richtung Mündigkeit sowie die Betonung der gegenseitigen Anerkennung der Beiträge der jeweiligen Glieder.

00:41:56: Das sind alles Motive wo wir sagen können davon zehrt auch die moderne Demokratie.

00:42:03: Und tatsächlich ließe sich in historischen Studien denke ich gut nachzeichnen, wie diese Charakteristika der Eglésia zur Herausbildung und Etablierung der modernen Demokratie insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika beigetragen hat.

00:42:17: Ich hatte da etwa eine Doktorarbeit in Oxford dazu betreut.

00:42:21: unglaublich spannende Zusammenhänge.

00:42:24: Ungeachtet dieser Parallien müssen wir uns vor allem auch der Differenzbewusstsein zwischen der Eglesia, der Vorabschattung des himmlischen Josalems in der Zeit Also ein durch die Zeit wandern des Gottesvolk auf der einen Seite und dem jeweiligen sekularen politischen Gemeinwesen auf der anderen.

00:42:47: Es kann ja nicht um kurzschlüssige Folgerungen gehen, die aus der Verfassung der Egläsia jetzt für die Verfassung des sekularen Gemeinbesen gezogen werden, diese Differenz einfach übersieht.

00:42:57: So nach dem Motto naja Gottes Wille für die Menschheit ist halt die Demokratie, die darum sowohl im Staat als auch in der Kirche herrschen müsse Nur im Klammer gesagt, nur die Iglesia war keine Demokratie.

00:43:16: Wir würden vielleicht eher sagen so eine Atmischverfassung, wo die Apostel das gewichtige Wort zu sagen hatten.

00:43:25: Aber es ist nur ein Klammern!

00:43:28: Der Zusammenhang ist natürlich komplexer... Von den Imperativen der Inklusivität, Partizipation und radikaler gegenseitige Anerkennung gehen sicher Impulse für die Ordnung des Staatswesens in diese Richtung aus.

00:43:41: Dabei haben wir aber zu berücksichtigen... Und jetzt dürfen sie klingeln!

00:43:45: Jetzt wird es vielleicht am allerinteressantesten.

00:43:50: Ja dass diese Imperative keine nackten Imperatives, keine reinen Imperativ im Senkans die sie sozusagen von sich selbst heraus verstünden, sondern es sind Imperative der Egläsia unter der Regierung des Heiligen Geistes.

00:44:10: Eine Regierung, die nicht nur jene Imperative generiert, sondern zugleich die Bedingungen ihrer Erfüllung.

00:44:17: regiert euch aber der Geist, sagt Paulus in Gaza V., so seid ihr recht frei!

00:44:27: Unter der Regierung des Geistes Gottes seid ihr nicht mehr unter dem Gesetz der Priorisierung der Eigeninteressen, sondern ihr seid frei, das Allgemeinwohl im Lichte des Wohles jeweils anderen zu imaginieren.

00:44:43: Und das ist die Urbedingung einer politischen Zivilisation von jener Art auf die gerade auch die Demokratie angewiesen ist.

00:44:52: Wir sehen also von der ideal demokratischen Verfassung der Eglésia Nicht wirklich demokratisch, aber Impulse in diese Richtung geht zugleich auch ein Imperativ zur Anerkennung der Regentschaft einer höheren Macht aus.

00:45:09: Als Bedingungen der Freiheit der Glieder dieser Polis einander nicht als Konkurrenten zu sehen sondern als Kollaborateure in Sachen Bonum-Kommune.

00:45:22: Das kann sich auch innerhalb der Verfassung eines modernen Staatswesens artikulieren das ich als weltanschaulich Neutral, also sekular verstehen könnte.

00:45:30: Gestern schon mal angeklungen in allgemeineren Formen wie etwa der Breamel des Grundgesetzes Verantwortung vor Gott und den Menschen oder vielleicht minimalistisch unter der Herrschaft des Rechts Transcendent verstanden.

00:45:52: Und ein letzter Punkt auf der Fluchtlinie dieser Erkenntnisse erscheint mir allerdings doch auswesentlich, eine Einsicht zu markieren die in den Tendenzen der liberalen Demokratien unserer Tage eher zu verschwimmen droht.

00:46:03: Nämlich dass es zwingende theologische Gründe dafür gibt nicht in den Ruf.

00:46:08: wir sind das Volk einzustimmen wenn damit einen Souverän suggeriert wird.

00:46:16: der Beanspruch über das was gut und böse zu lernen ist per Mehrheit Entscheid bestimmen zu können.

00:46:25: Also eine solche Interpretation der Volkssouveränität, die nicht zwingt ist aber es ist zumindest eine klare Versuchung das so zu verstehen im Sinne der absoluten Selbstbestimmung des Wahlfolges erinnerte fatal an das Umkippen der spätalterlichen Monarchien in die Souveränitätsfantasien der Sonnenkönige.

00:46:54: So wie sich die abendländischen Monarchen in der Tradition der Ecclesia, aber nur in der Summe dezidiert als regentem Untergott verstanden haben.

00:47:09: So sollte sich auch die moderne Demokratie dessen bewusst sein dass sie auch als Form des Selbstregierungs des Volkes nur dann florieren kann und nicht in ihr Gegenteil kippen wenn sie sich dezidiert als eine Souveränität in Anführungszeichen unter Gott versteht.

Über diesen Podcast

Gibt es Gott? Und wenn es ihn gibt, warum gibt es dann so viel Schlechtes in der Welt? Können wir überhaupt irgendwas über Gott wissen oder ist Gott nur Wunschdenken?

Warum denken so viele Menschen so unterschiedlich über Gott? Und wie können Menschen unterschiedlichen Glaubens gut zusammenleben? In welchem Verhältnis steht die Wissenschaft zu Gott?

Diese und ähnliche Fragen beschäftigen uns Menschen schon seit Jahrtausenden. Das IGUW (Institut für Glaube und Wissenschaft) wurde 1999 von Dr. Jürgen Spieß gegründet, um sich genau mit diesen Themen zu befassen und so den Dialog zwischen Glauben, Wissenschaft und verschiedenen Weltanschauungen zu führen.

Für diesen Podcast verarbeiten wir einereseits etliche Beiträge der letzten Jahre, aber produzieren auch immer wieder neue Inhalte.

von und mit Institut für Glaube und Wissenschaft

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