00:00:10: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode des Begründet-Glauben-Podcasts.
00:00:13: Wir glauben, dass Glaube unserem Lebens Sinn gibt und das Glaube auch rational Sinn ergibt!
00:00:19: Mein Name ist Alexander Finck – ich leite das Institut für Glaube in Wissenschaft und wir freuen uns immer über finanzielle Unterstützung unter iguwe.de unterstützen.
00:00:38: Er war Mitglied der zweiten Generation, der sogenannten Frankfurter Schule.
00:00:46: Eine linkspolitisch ausgerichtete Bewegung die Deutschland ja die ganze Welt nachhaltig prägt auch ein Grund warum eine Reihe von Christen so ihre Probleme mit diesem Philosophen haben.
00:00:59: Ich glaube aber wir können tatsächlich auch von diesen Philosophem als Christian eine ganze Reihe von interessanter Gedanken lernen.
00:01:08: Und das möchte ich einfach in diesem Podcast heute einmal mit uns angehen und ein paar Gedanken zu Jürgen Habermas sammeln und weitergeben.
00:01:18: Zunächst mal finde ich seine Grundidee, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der alle auf der Suche nach Wahrheit sein sollten und möglichst im Diskurs das beste Argument gewinnen sollte.
00:01:31: Das find' ich eine tolle Vision!
00:01:33: So sollte Gesellschaft eigentlich aussehen.
00:01:36: Habermas hat dazu die Idee der sogenannten idealen Sprech-Situation entwickelt, das heißt es geht um eine Herrschaftsfreie Kommunikation in der alle Gesprächspartner, die am Gespräch beteiligt sind, die gleichen Rechte und Pflichten haben und keiner dem anderen in irgendeiner Weise übergeordnet ist oder dass einer eventuell diskriminierende Maßnahme aufgrund seiner Kommunikations zu befürchten habe.
00:02:02: Wichtig sind dabei die Werte der Wahrheit, wir sagen nur das was stimmt.
00:02:06: Was mit der Realität übereinstimmt.
00:02:08: Wahrhaftigkeit unsere Motive sind gut.
00:02:11: Wir wollen niemanden manipulieren sondern wir wollen die Wahrheit herausfinden und die Richtigkeit.
00:02:17: Wir halten uns an gängige moralische Normen nach der wir unser Leben gestalten wollen.
00:02:24: natürlich stecken da viele Vorannahme drin wie wir gleich noch sehen werden.
00:02:29: Nun kommt man aber dennoch auch in einer solchen idealen Sprech-Situation, die natürlich in der Praxis kaum gegeben ist.
00:02:36: Denn da gibt es immer irgendwelche Hierarchieunterschiede.
00:02:39: Aber angenommen, es gäbe sie!
00:02:41: Selbst dann kommt man an Situationen, in denen man die Wahrheit einer Frage nicht unbedingt entscheiden kann.
00:02:49: Nehmen wir zum Beispiel die wichtige Frage – Gibt es Gott?
00:02:53: Da wird es Argumente für die Existenz Gottes geben und Argumnte gegen die Existenz Gottes.
00:03:00: Wie gehen wir nun damit um?
00:03:02: Habermas selbst bezeichnet sich ja als Postmetaphysiker, das heißt aus seiner Sicht ist die Existenz Gottes eben nicht widerlegbar oder nicht beweisbar.
00:03:12: sie ist letztendlich irrelevant.
00:03:13: er glaubt wir müssen unsere Gesellschaft auf Fundamente gründen die Nicht-Transcendent, die nicht in der Metaphysik würzeln ein Postmeterphysiker also.
00:03:22: wir müssen in unserem immanenten Dialog unter den Menschen die Normen aushandeln, nach denen wir leben wollen.
00:03:29: Sie sind nicht metaphysisch
00:03:30: begründet.".
00:03:30: Das setzt natürlich dann schon voraus das es keinen Gott gibt oder dass wenn es ihn gibt dieser Gott irrelevant ist für diese Normen, nach den wir leben sollten.
00:03:40: und genau darum geht's ja aber wiederum in der Frage Gibt es Gott?
00:03:43: Wie gehen wir nun also damit um?
00:03:47: Und dazu spielt der Begriff der Toleranz eine ganz wichtige Rolle.
00:03:52: ist, glaube ich in der heutigen Gesellschaft die stark von Polarisierung gekennzeichnet ist so wichtig wie selten zuvor.
00:04:00: Was ist Toleranz eigentlich?
00:04:02: Lateinisch kommt Tolerans vom Begriff Tolerare das heißt ertragen oder dulden.
00:04:08: Das heißt Ich muss es aushalten und die Last ertragen dass jemand anders eine andere Meinung vertritt als ich selbst.
00:04:15: Es besteht eine nicht lösbare Meinungsverschiedenheit.
00:04:18: Grundsätzlich gibt es dabei zwei verschiedene Arten von Tolerance Sach-Toleranz, das würde bedeuten alle haben in gleicher Weise Recht und keiner dafür sich beanspruchen alleine Recht zu haben.
00:04:30: Das würde ganz schnell im Relativismus enden und würde dazu führen dass die Gesellschaft auseinander fliegt denn wir haben keine kleinste gemeinsame Wirklichkeit mehr im Relativismus wenn jeder in gleicherweise recht hat und den anderen für seine Wahrheitsauffassung nicht mehr kritisieren darf.
00:04:47: Das kann also nicht die richtige Toleranz für eine demokratische Gesellschaft sein Oder weh, die sogenannte personelle Toleranz.
00:04:54: Der andere wird einfach nach den gleichen Maßstäben behandelt wie ich auch wenn er eine konträre Meinung hat.
00:05:01: Wir haben also die gleichen Rechte Freiheit Gewissensfreiheit Freiheit zur eigenen Lebensgestaltung und die gleichen Pflichten Solidarität mit den anderen Mitgliedern unserer Gesellschaft Und Gerechtigkeit Habermas schreibt in seinem Buch über Tolerans Die Erwartung von Tolerance mutet uns zu Eine auf kognitiver Ebene fortbestehende Nicht-Übereinstimmung, die aus Gründen der Konsistenz nach der Auflösung von Widersprüchen drängt, auf der Ebene sozialer Interaktion in dem Sinne auszuhalten, dass wir sie for the time being dahingestellt sein lassen.
00:05:39: Also es besteht auf der kognitivem Ebene in unserem Denken eine fortbestehende Nichtübereinstimmung.
00:05:47: zum Beispiel Der eine Bürger glaubt eben, es gibt Gott und wir müssen uns nach seinen Geboten richten.
00:05:52: Und der andere Bürger glaubT, Es gibt keinen Gott und deswegen müssen wir uns auch nicht nach seinen geboten richten.
00:05:58: Diese Nicht-Übereinstimmung die strebt natürlich nach Konsistenz.
00:06:03: Die strebt danach aufgelöst zu werden denn Wir können ja nicht nach völlig unterschiedlichen Maßstäben in unserer Gesellschaft leben.
00:06:10: Nun können wir aber die Frage, ob Gott existiert oder nicht.
00:06:13: Nicht durch ein physikalisches Experiment empirisch nachvollziehbar für alle gleichermaßen feststehend klären – es bleibt eben ein Stück weit eine Glaubensfrage auch wenn man gute Argumente für beide Seiten anführen kann!
00:06:28: Also bleibt uns nichts anderes übrig als in unserer Gesellschaft diese Meinungsverschiedenheit nebeneinander stehen zu lassen.
00:06:34: Und trotzdem müssen wir einen Modus wie Wendy finden, wie wir in unserer Gesellschaft sozial konstruktiv miteinander weiter interagieren können.
00:06:43: Genau das ist Toleranz!
00:06:45: Wir stehen füreinander ein, dass wir beide das Recht haben für unseren Glauben zu argumentieren – ich glaube es gibt Gott oder es gibt ihn nicht und lassen uns dabei sozial völlig aufeinander ein.
00:06:57: Wir verkaufen uns gegenseitig Dinge, wir behandeln uns als gleichberechtigtige Bürger der gleichen
00:07:03: Gesellschaft.".
00:07:05: Das ist Toleranz!
00:07:07: Wie kann Tolerans nun funktionieren?
00:07:10: In seinem Buch zwischen Naturalismus und Religion geht es genau darum wie man in einer sekularen Gesellschaft miteinander umgeht wenn manche Menschen an einen Gott glauben und andere nicht.
00:07:22: Nun zur Tolle Hans gehören drei Elemente laut Jürgen Habermas.
00:07:25: Erstens das Element der Ablehnung, dass ist diese kognitive Dissonanz und diese ist eben nicht behebbar.
00:07:32: Wäre sie beheber zum Beispiel wenn wir unterschiedliche Meinungen bezüglich der Form der Erde haben?
00:07:38: ein anderer mit Bürger behauptet die Erde ist flach.
00:07:40: ich behaupte sie ist rund.
00:07:42: dann können wir diese Dissonance tatsächlich mit der Basis empirischer Fakten auflösen indem wir nämlich zum Beispiel in den Weltraum fliegen und die Erde von außen betrachten und anschauen.
00:07:53: Und dann sehen wir, die Erde ist eben rund.
00:07:55: Sie ist eine Kugel, sie ist nicht flach!
00:07:57: Das ist also eine behebbare Dessonanz.
00:07:59: Hier geht es um eine Nicht-Behebbarer-Dissonanz Zum Beispiel die Frage ob es Gott gibt oder nicht.
00:08:06: Dabei dürfen jetzt aber keine subjektiven Vorurteile eine Rolle spielen wie Chauvinismus oder Rassismus.
00:08:11: Also Aussagen wie ich glaube einfach nicht dass Frauen gut regieren können.
00:08:16: Deswegen sollten sie niemals Bundeskanzler werden dürfen.
00:08:19: Das wäre eine chauvinistische Aussage, eine Aussage die eben auf vorurteilende Route und nicht auf legitimen subjektiven Ablehnungsgründen – also moralisch begründbare Werte!
00:08:32: Denn es gibt keinen Grund warum eine Frau nicht genauso gut regieren können sollte oder genauso schlecht wie ein Mann.
00:08:40: Also eine kognitive Dissonanz besteht.
00:08:42: Zweitens?
00:08:43: In dieser Ablehnung muss es dennoch noch die Akzeptanz an der gemeinsamen Grundlage geben.
00:08:49: Ansonsten ist ein konstruktives Zusammenleben in der Gesellschaft nicht mehr möglich, denn wir wollen ja soziale Interaktion weiterhin ungestört ausleben können also sprich miteinander in die gleiche Schulklasse gehen zum gleichen Arbeitsplatz gehen und so etwas verkaufen oder kaufen.
00:09:07: Diese gemeinsame Grundlage liegt letztendlich in unserer Verfassung im Grundgesetz, das wiederum die Menschenrechte und auch die Würde des Menschen garantiert.
00:09:18: Nun schreibt Habermas in seinem Buch dass In einer solchen Situation eine doppelte Bürde aufgelegt wird an das eigene Etrus also meine eigenen Wertvorstellungen.
00:09:29: denn zum einen Kann ich dieses eigene Ethos nur in Grenzen realisieren, weil ich kann anderen nicht dazu zwingen sich genauso zu verhalten wie es mir gut erscheint?
00:09:39: Auf der anderen Seite muss ich eben das Ethos der Anderen in deren Grenzen wiederum akzeptieren.
00:09:45: Diese Bürde muss ich ertragen tolerieren!
00:09:50: Ganz spannend finde ich in dem Zusammenhang dass Habermas hier sagt diese Lasten sind oft ungleich verteilt.
00:09:58: ein säkularer Mitbürger Wer kann letztendlich relativ pragmatisch sagen, okay lass uns den Kompromiss machen und dann finden wir schon irgendeinen Modus wie Wendy die wir miteinander umgehen können.
00:10:10: Es geht einfach darum gemeinsame Wert zu finden und zu definieren.
00:10:14: Ein religiös denkender Mensch der glaubt an ein metaphysisch Gutes also eine absolute metaphysische gute Wahrheit zum Beispiel das Leben des Menschen ist ein Geschenk von Gott.
00:10:27: wenn ich dass Als absolute Wahrheit ansehe, wie ich es zum Beispiel im christlichen Glauben tue.
00:10:32: Dann habe ich natürlich in der Sterbehilfe-Debatte ein echtes Problem!
00:10:36: Denn dann kann es einfach nicht gut sein wenn ein Mensch sich selbst das Leben nimmt.
00:10:43: Denn das Leben ist gar nicht im engeren Sinne mein Leben sondern es ist dass mir geschenkte Leben Gott is'.
00:10:49: Es gehört letztendlich Gott und damit ist die Frage ob ich dann einen Recht begründen kann, wegnehmen kann.
00:11:00: Wir sehen, religiös lassen sich Werte nicht so einfach kompromittieren sie haben einen transcendenten Ursprung.
00:11:07: trotzdem muss man natürlich in der Gesellschaft dann einen Kompromiss finden mit dem alle Parteien auch sozial verträglich miteinander umgehen können was aber nicht heißt dass man nicht trotzdem uneingeschränkt seine religiöse motivierten Ansichten verkünden dürfen muss.
00:11:24: das gleiche gilt übrigens auch für die Abtreibung.
00:11:27: als Christ glaube ich Dass das, was im Mutterleib heranwächst ein von Gott gewolltes geschaffenes Leben ist.
00:11:35: Ein Mensch eine Person und zwar von der ersten Sekunde der befruchteten Eizelle an.
00:11:40: Dann ist es eben nicht einfach nur ein paar Zellen die ich einfach entfernen kann oder ausschaben kann Denn das ist bereits das Entfernen einer Person.
00:11:50: Wenn ich rein materialistisch an das Thema rangehe, kann ich mir sagen Was sollen diese Zellen in meinem Leib?
00:11:55: Die kann ich doch einfach entfernen lassen.
00:11:57: Ist ja nur eine Wucherung!
00:12:00: An der Stelle wird die Diskussion nicht zu einer befriedigenden Lösung der Wahrheitsfrage kommen, denn da spielt wiederum die Frage eine Rolle gibt es Gott oder gibt es ihn nicht?
00:12:12: Also müssen wir auch hier wieder einen Kompromiss finden wie er sich in unserem Rechtssystem im Paragraf twohundertachzehn eben ausdrückt.
00:12:20: also das wäre die Akzeptanz einer gemeinsamen Grundlage die Menschenrechte Die oft hier auch in Konflikt miteinander stehen, zum Beispiel bei der Abtreibung.
00:12:27: Das Recht der Freiheit der Frau auf ihren Körper, auf Verfügung Ihren Körper, wäre es das Lebensrecht des ungeborenen Lebens – zwei menschliche Grundrechte die sich hier gegenüberstehen!
00:12:40: Drittens gehört aber noch etwas dazu laut Habermas und zwar die Zurückweisungen intoleranten Verhaltens.
00:12:47: Also das wäre der sogenannte Extremismus.
00:12:49: Extremismus ist definiert als die Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Grundgesetzes.
00:12:57: Heute beobachten wir oft, dass als Extremismus bereits etwas bezeichnet wird was einfach nur Gebrauch macht von den Rechten der freiheitslich demokratischen Grundordnungen zum Beispiel Die Aussage ich bin dafür das auch ungeborenes Leben Das Recht zu leben hat das es kein Extremismus.
00:13:17: Extremismus wäre es dann wenn er sich in Gewalt ausdrücken würde.
00:13:24: Aber nicht, wenn man einfach für die eigenen Werte einsteht, die nur bei Einstimmung mit der Verfassung stehen!
00:13:32: Wenn der Verfassungsstaat nun Extremisten begegnet steht ja in einem Dilemma.
00:13:37: Denn auf der einen Seite garantiert der Verfasungsstaats uns eben Meinungsfreiheit, Gewissensfreiheit und auf der anderen Seite darf er diese Freiheit natürlich Diese Freiheit dazu missbrauchen, um den demokratischen Staat abschaffen zu wollen.
00:13:55: Also die einen Umsturz der Verfassung anstreben Wir dürfen in vielen Bereichen sehr unterschiedliche Meinungen haben.
00:14:02: Sobald wir aber Den verfassungsstaat an sich abschaffen wollen Dann haben wir es mit dem Extremismus zu tun und dann muss der verfassungstaat natürlich auch ein wehrhafter verfasslungsstaats sein.
00:14:12: das heißt Die intoleranz gegenüber der verfassung wie sie im grundgesetz steht Muss bestehen bleiben.
00:14:19: er muss also intolerant gegen Intoleranz sein, sofern die Verfassung davon betroffen ist.
00:14:27: Und wir merken schon das birgt Sprengstoff in sich!
00:14:31: Denn wer legt jetzt fest wann jemand intolerant gegen die Verfassung ist?
00:14:36: Da kann man natürlich ganz schnell die Begriffe dehnen Und dann kann es ganz schnell dazu führen, dass der Verfassungsstaat ja eigentlich Freiheit garantiert.
00:14:45: Selbst totalitäre Züge annimmt und die Freiheit seiner Bürger einschränkt – und zwar in einem Maße wie ist eigentlich der Verfassung nicht mehr entspricht!
00:14:55: In solchen Situationen kommt man meistens wenn eine Ausnahmesituation vorliegt.
00:15:00: ein Beispiel war die Corona-Pandemie wo wirklich die Frage war, wie weit darf der Staat die Freiheit der Bürger einschenken?
00:15:06: Ist er zu weit gegangen oder nicht?
00:15:08: Aber das wäre eine andere Debatte.
00:15:10: Nur man sieht, wie schnell man hier in Dilemata hineinlaufen kann.
00:15:15: Diese schwierigen Fragen in der Praxis... Wie geht man mit intoleranten Minderheiten um?
00:15:19: Wie wägt man das Recht auf Meinungsfreiheit und die autonome Lebensgestaltung, die garantiert ist, gegeneinander ab?
00:15:27: Wie geht es damit um?
00:15:29: Das ist in der praxis schwierig auszulerieren!
00:15:32: Und deswegen gibt's auch die Judikative die hier Entscheidungen treffen muss.
00:15:37: Dieser inneren Selbstwiderspruch zeigt aber uns auch eine Sache, wir gleich noch mal etwas eingehen werden.
00:15:44: Die Toleranz an sich kann niemals der oberste Wert sein.
00:15:48: Viele Menschen sagen heute was ist das Wichtigste?
00:15:51: Tolerans!
00:15:52: Ja, Tolerance ist wichtig im Zusammenleben, aber die Frage ist immer... Was ist Tolerant?
00:15:57: Toloranz im technischen Sinne ist eigentlich die Abweichung von einem Grundwert und Toleranz ist nur so gut wie der Grundwert ist gegenüber dem ich tolerant bin.
00:16:07: Und wenn der Grundwerk falsch ist, dann nützt mir die beste Toleranz nichts.
00:16:11: Das heißt, die Grundfrage ist welche Grundwerte liefern uns die Tolerance, die wir brauchen um eine freienlich demokratische Grundordnung zu garantieren?
00:16:22: Ich möchte hier noch ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck anführen aus seinem Buch Tolerans einfach schwer denn das ist nochmal enorm wichtig Toleranz als Duldung kann vom Staat eingefordert werden.
00:16:35: Ja, an manche Stellen muss man eben sein eigenes Ethos seine eigenen Wertverstellungen einschränken.
00:16:41: zum Beispiel wenn man als Christ sagt Abtreibung das Umbringen nicht geborenen Lebens kann nie geduldet werden Kann einfach nicht erlaubt sein.
00:16:49: dann muss ich hier aufgrund unserer Verfassung aufgrund unseres Gesetzes Paragraf zu hundert achtzehn dann eben zum Beispiel akzeptieren dass es in manchen Fällen eben doch Erlaubt ist und dass es gedulded werden kann.
00:17:02: Aber Johann Görb sagt, wertschätzende Anerkennung kann nicht eingefordert werden.
00:17:06: Man kann keinen Mitbürger zwingen der eben die Auffassung hat das ungeborenes Leben echtes Leben ist von Gott gewolltes und geschenktes Leben dass dir diese Meinung aufgibt.
00:17:18: Das wäre totalitarismus und würde in die Grundrechte der Gewissens- und Meinungsfreiheit eingreifen.
00:17:23: Staat und Gesellschaft können beispielsweise von einem Menschen verlangen, dass er die gesetzlichen Regelungen zur Abtreibung respektiert.
00:17:28: Aber sie können ihn nicht zwingen den Schwangerschaftsabbruch an sich gut zu heißen, schreibt Gaug.
00:17:33: Und ich glaube genau diese Form von Toleranz müssen wir heutzutage wieder lernen!
00:17:38: Unsere Gesellschaft hat das verlernt und deswegen sind wir so schnell aggressiv und werden zu Wutbürgern und werden intolerant, sind gar nicht mehr bereit mit Andersdenkenden zu reden.
00:17:49: Ich glaube, wir können uns hier in der eigenen Nase packen und durchaus ins Gespräch miteinander kommen.
00:17:55: Und auf der sozialen Ebene fair miteinander umgehen im Sportverein am Arbeitsplatz in der Schule beim Einkaufen!
00:18:03: Was ist nun dieser Grundwert?
00:18:05: Da finde ich ein anderes Werk von Jürgen Habermas sehr spannend – und zwar Zeit der Übergänge aus dem Jahr zwei Tausend Eins.
00:18:13: In diesem Buch beschäftigt sich HabermAS unter anderem mit der Frage Auf welchem Wertsystem können wir ein postnationales Europa oder überhaupt eine postnationale Gesellschaft aufbauen?
00:18:24: Also, wir lassen die Nationalstaaten hinter uns und bauen eine Weltgemeinschaft.
00:18:29: Auf welcher Wertebasis ist das möglich, ist das denkbar?
00:18:35: Und wenn man jetzt sich zu Gemüte für das Habermas ja eigentlich postmetaphysisch isst, dass er sich sehr am Christentum reibt immer wieder auch in Auseinandersetzung mit der Kirche Dann ist es doch erstaunlich, wenn wir uns dieses Zitat aus diesem Buch nun vor Augen führen.
00:18:53: Ich lese vor auf Seite hundredfünfundsiebzig Zeit der Übergänge Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur eine Vorläufergestalt oder ein Katalysator gewesen.
00:19:07: Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben Von autonomer Lebensführung Und Emanzipation von individueller Gewissensmoral, Menschenrechten und Demokratie entsprungen sind – ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeits- und christlichen Liebesetik.
00:19:27: In der Substanz unverändert ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden.
00:19:33: Dazu gibt es bis heute keine Alternative.
00:19:36: auch angesichts der aktuellen Herausforderungen einer postnationalen Konstellation zählen wir nach wie vor dieser Substanz.
00:19:45: Alles andere ist postmodernes Gerede.
00:19:49: Wow!
00:19:50: Ein sehr dichtes Zitat, das ich noch mal ein bisschen auseinandernehmen möchte.
00:19:54: Der erste Satz wird oft weggelassen bei diesem Zitat aber ich finde ihn wichtig.
00:19:58: Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur eine Vorläufergestalt oder ein Katalysator gewesen.
00:20:05: Rufig hat man ja die Vorstellung, ja die Menschheitsgeschichte entwickelt sich immer weiter nach oben und dabei müssen wir frühere Gesellschaftsformen hinter uns lassen eine bessere, eine neue Weltordnung erhalten.
00:20:19: Und so sehen viele Leute auch das christliche Mittelalter an zum Beispiel.
00:20:23: Das christlichen Mittelalter muss man gleich sagen richtet sich an vielen Stellen natürlich nicht nach Vorstellungen des Evangeliums die für das Christentum maßgeblich sind.
00:20:33: von daher ja da war einiges zu überwinden.
00:20:35: aber der Grundgedanke des Christentums Der ist eben nicht einfach nur eine Vorläufergestalt, die wir irgendwann wieder hinter uns lassen müssen oder ein Katalysator der endlich in der französischen Revolution gegipfelt ist und uns die wahre Freiheit gebracht hat.
00:20:50: Nein!
00:20:51: Das Christentum ist und bleibt letztendlich der Grundgedanke auf dem wir eine zukünftige Gesellschaft bauen können – und zwar nach Habermas eben der Einzige.
00:21:03: Worin besteht nun?
00:21:04: Inhaltlich dieser wichtige Grundgedanke des Christentums und auch des Judentums.
00:21:11: Jürgen Habermas bezeichnet ihn als der egalitäre Universalismus, ein hartes Wort.
00:21:18: Universalismus bedeutet alle allumfassend das heißt es betrifft alle Menschen und egalitär.
00:21:26: das kommt von dem elateinischen Wort für Gleichheit.
00:21:30: also alle Menschen sind gleich haben die gleiche menschenwürde unabhängig von ihrem Aussehen, von ihrem Bildungsstand und ihrem Gesundheitszustand.
00:21:43: Was auch immer!
00:21:44: Alle Menschen haben die gleichen Würde.
00:21:46: Egal ob sie sich so verhalten wie wir es uns vorstellen wollen oder nicht.
00:21:51: Warum ist das so im christlichen und jüdischen Glauben?
00:21:53: Nun weil wir glauben dass jeder Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist.
00:21:58: Gott sagt, ich mache Dich in meinem Bildnis.
00:22:01: Wir haben ein Innenleben, eine Bewusstsein, Gefühle und einen Willen mit dem wir uns entscheiden können, manche Dinge zu tun oder andere Dinge nicht zu tun.
00:22:13: Das ist ein Spiegelbild dessen, was Gott ist.
00:22:15: Auch Gott hat Gefühle... auch Gott hat einen Verstand wenn auch einen unendlich mal größeren Verstand als unseren.
00:22:20: und er hat uns geschaffen aus freiem Willen nicht weil er uns schaffen musste weil irgendetwas dazu gezwungen hätte sondern weil er es wollte.
00:22:28: also insofern spiegelt jeder Mensch Gott wieder.
00:22:31: durch unser Wesen aber auch einfach durch den Zuspruch den Gott uns gegeben hat bleibt diese Norm dass wir alle die gleiche Würde haben im Ebenbild Gottes geschaffen zu sein erhalten.
00:22:44: Und diese Würde geht selbst dadurch nicht verloren, dass wir uns von Gott abgewendet haben!
00:22:48: Dass wir zu sündern geworden sind die Gott misstrauen und selbst Gott sein wollen und dadurch auch der Unfriede und viel Zerstörung einzughält in unsere Gesellschaft, in so eine Lebenswirklichkeit.
00:23:02: Wenn wir nun davon ausgehen, dass alle Menschen dengleicherweise im Ehenbild Gottes geschafft sind und eines Tages entgleicherweise vor Gott auch Rechenschaft für ihr Leben ab... geben müssen.
00:23:11: Egal ob Bundespräsident oder Bettler am Straßenrand, in gleicher Weise stehen wir davor Gott dann folgen daraus genau die Werte die Habermas sehr wichtig sind nämlich die Ideen von Freiheit jeder Mensch soll frei sein sein Leben zu gestalten frei sein zu denken was er denken möchte und von solidarischem Zusammenleben.
00:23:31: also wir haben trotzdem auch die Verpflichtung einander diese Freiheit zu gewähren und einander in der Gesellschaft beizustehen in gewisser Weise, nach gewissen Regeln.
00:23:43: Von autonomer Lebensführung.
00:23:45: also keiner soll den anderen bevormunden und ihm sagen was er zu tun hat.
00:23:50: Emanzipation das kommt vom lateinischen E-Manu Zipare oder Capare eigentlich Also aus der Hand nehmen.
00:23:58: es geht nicht darum dass manche Menschen in der hand anderer menschen sein sollte sondern jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben sein eigenes Leben zu gestalten Und nicht einfach nur der Sklave eines anderen Menschen zu sein von individueller Gewissensmoral.
00:24:12: Ja, wenn jemand etwas aus Gewissenschründen sich einfach nicht vorstellen kann zum Beispiel den Wehrdienst oder irgendwas dann darf er dazu eben nicht gezwungen werden.
00:24:21: Menschenrechte ja die ganzen Dinge die mit der Würde des Mensch zusammenhängen und Demokratie also eine Gesellschaft in der das ganze Volk letztendlich entscheidet wer regieren soll in der Herrschaft begrenzt ist Zum Beispiel durch die Gewaltenteilung, Exekutive, Legislative und Judikative.
00:24:41: Und das Ganze auch immer zeitlich eingegrenzt ist auf bestimmte Wahlperioden.
00:24:45: Dadurch wird verhindert dass ein totalitäres System entstehen kann.
00:24:51: ganz verhindern kann es natürlich nie werden aber zumindest gibt's mal ein paar Werkzeuge dafür.
00:24:56: also diese ganzen Werte die uns in unserer in unserem Grundgesetz wichtig sind.
00:25:01: Das ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeit in der christlichen Liebesethik Also jüdische Gerechtigkeits-Ebene, Gerechtigkeitseetik.
00:25:10: Das ist das alte Distament zum Beispiel die zehn Gebote natürlich ganz zentral wo auch schon zum Beispiel das Recht auf Eigentum verankert ist.
00:25:20: Jeder soll das Recht haben Dinge besitzen zu dürfen, Dinge wohlgemerkt nicht Personen und die christliche Liebesethik auf der anderen Seite.
00:25:29: Die Ethik die eben sagt Liebe sogar deine Feinde begegnet dem Anderen mit Wohlwollen.
00:25:36: Wenn wir davon abkommen, dann läuft unsere Gesellschaft in die Katastrophe.
00:25:42: Dann werden wir im Bürgerkrieg in der Selbstverstörung landen und irgendwann wird vielleicht das stärkere herrschen oder es kommt zu einem Pat und zu einem Bruch der Gesellschaft.
00:25:50: komplett Davon also lebt unsere Gesellschaft dass wir glauben alle Menschen sind gleich haben die gleichen Rechte und Pflichten Und sollen sich in Liebe miteinander begegnen und auch eine neue Chance bekommen.
00:26:04: wenn sie die rechte andere mal verletzen Ja, dann soll eben nicht leicht die Todesstrafe ausgeübt werden.
00:26:09: Sondern so wie Jesus in Johannes VIII es soll die Möglichkeit geben der Umkehr umzudenken und wieder neu über das eigene Leben und die Gesellschaft nachzudenkaen.
00:26:20: In der Substanz unverändert ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden.
00:26:24: ja Es gab Veränderungen im gesellschaftssystem.
00:26:27: Wir haben heute kein Lähnsystem mehr wie Mittelalter oder eine Unterscheidung verschiedener Stände, wie Adel, Burgertum, Handwerk usw.
00:26:35: Das ist nicht mehr so.
00:26:37: und ich glaube auch das zeigt dass eigentlich der christliche Grundgedanke sogar sich stärker durchgesetzt hat, dass eben alle vor Gott gleich sind.
00:26:45: Und Habermas sagt jetzt wenn wir dieses Erbe durchstreichen würden dann haben wir dazu keine Alternative mehr.
00:26:52: Auch angesichts der aktuellen Herausforderungen einer postnationalen Konstellation zehren wir nach wie vor von dieser Substanz, weil wir keine andere Begründung haben warum alle Menschen gleich sein sollten.
00:27:04: Wir müssen nur mal in die Geschichte schauen bei den griechischen Philosophen die viele sehr wertschätzen ich auch aber bei Aristotösten bei Platon.
00:27:10: da war es ganz klar dass manche Menschen dazu geschaffen sind um über andere zu herrschen und andere sind geschaffen worden dafür um beherrscht zu werden Und daran gab's auch nichts zu rütteln.
00:27:19: oder das indische Kastensystem.
00:27:20: Aus dem kommt man nicht raus, in das wird man hineingeboren und indem bleibt man sein ganzes Leben lang.
00:27:27: Also hier brauchen wir eine Begründung und die liefert uns historisch gesehen der jüdisch-christliche Glauben und ontologisch gesehen natürlich auch die Theologie des jüdischen christlichen Denkens.
00:27:40: Alles andere ist postmodernes Geräte.
00:27:42: was meint Habermas mit postmodernem Geräten?
00:27:44: nun Postmoderne sagt Jeder, der eine Meinung äußert.
00:27:48: Der Worteprägte definiert.
00:27:50: Der prägt was wir denken.
00:27:52: und genau das ist das Problem.
00:27:53: Der eine definiert und präagt so und andere anders.
00:27:56: Wir haben keinen Fundament.
00:27:58: Wir sind wie auf einem Boot Auf hoher See Mal kommt die eine Welle mal die andere!
00:28:03: Wir haben keine feste Grundlage.
00:28:05: Die jüdische Gerechtigkeit und christliche Liebesethik können uns gerade diese Grundlage geben dass wir auch festem Grund unsere zukünftige Gesellschaft bauen.
00:28:14: Also, ich finde diesen Gedanken enorm spannend.
00:28:18: Erstens Toleranz, zweitens eine Grundlage für Menschenwürde und Ethik und damit auch einen Grundwert von dem aus Tolerans definiert werden kann.
00:28:28: Und da bezieht sich Habermas als Achnostiker – ateistischer Achnastiker tatsächlich auf das jüdisch-christliche Erbe!
00:28:35: Er erkennt also dass hier etwas wahrhaftiges, etwas Richtiges drinsteckt für unsere Ethik, auch wenn er die Wahrheit der Existenz Gottes infrage stellt.
00:28:44: hochspannend aus meiner Perspektive.
00:28:47: Und gleichzeitig merken wir, dass Jürgen Habermas auch nicht nur für die Gesellschaft gedacht hat sondern auch für unsere eigene Existenz.
00:28:54: und da finde ich ein anderes Zitat enorm spannend!
00:28:58: Ich weiß nicht wie er diese Frage letztendlich für sich persönlich geklärt hat.
00:29:04: In einem völlig unverdächtigen Titel Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus schreibt Jürg-Habermas diesen Satz von Leid und von Tod ist die Lage des Menschen prinzipiell trostlos.
00:29:19: Das stößt einem vielleicht erst mal auf, und man sagt ja Moment mir geht es doch ganz gut!
00:29:23: Viele Menschen sagen mir geht's gut ich muss mir keine Gedanken machen was kommt oder so.
00:29:28: aber Habermass sagt ganz deutlich Ja Es kann uns für eine Zeit lang gut gehen und Vielleicht können wir völlig aufgehen darin Güter anzusammeln in dem Kapitalismus immer weiter zu wachsen.
00:29:38: Aber Es gibt Grenzen unserer Existenz da hilft uns kein Gesellschaftssystem mehr weiter.
00:29:46: Und das sind die Grenzen von Schuld, Einsamkeit, Leid und Tod.
00:29:50: Da ist die Lage des Menschen prinzipiell trostlos.
00:29:53: Als Atheist hat er mit dieser Aussage natürlich recht!
00:29:58: Denn wenn ich einmal schuldig geworden bin – zum Beispiel beim Autofahren nicht aufgepasst habe und ein Kind überfahren habe einfach nur durch Unachtsamkeit, nicht mal eine große Sünde wie man heute sagen würde – Ein Menschenleben zerstört und nicht nur das Menschenleben dieses Kindes, sondern auch der ganzen Familie.
00:30:15: Ich bin schuldig geworden vor diesen Menschen Und nichts kann dass wieder rückgängig machen und nichts kann das kompensieren Wenn es keine Ewigkeit gibt kein jenseits keinen gott die am himmel alles wieder gutmachen kann.
00:30:30: zweitens einsamkeit.
00:30:32: Jeder mensch kennt aus seiner eigenen erfahrung Das selbst beste freunde selbst langjährige Ehepartner, mit dem man durch dick und dünn gegangen ist.
00:30:42: Dass es da Situationen gibt wo dieser Mensch einen nicht verstehen kann.
00:30:47: Wo man alleine da steht!
00:30:49: Wo man auch vielleicht alleine durch eine Situation durchgehen muss.
00:30:53: ja ich muss mein Abitur selbst schreiben das kann weder meinen Vater noch meine Mutter noch mein Ehepartner tun oder meine Masterarbeit das muss ich tun.
00:31:03: Wir erleben Einsamkeit, wo wir auf uns alleine gestellt sind.
00:31:06: Und wenn es da keinen Gott gibt mit dem wir in Kontakt stehen der uns hilft, der uns beisteht wie ein guter Hörte dann sind wir tatsächlich letztendlich allein und einsam im tiefsten Inneren spätestens wenn die besten Freunde tot sind und gestorben sind auch angesichts von Leid.
00:31:25: unsere Welt ist die Kennzeilen von Vergänglichkeit weil es aber eine vergängliche Welt ist.
00:31:30: deswegen muss es leid geben weil nichts ewig besteht.
00:31:33: Ja, wir können Träume in den Sand bauen.
00:31:35: Wie Gröne Meier hat Grüne Meier in seinem Lied Mensch besingt.
00:31:39: aber dann kommen Ebbe und Flut?
00:31:40: Und die Flut wäscht alles wieder weg was sie vorhin den Sand gebaut haben der Freilag als die Ebbe da war.
00:31:47: nichts bleibt deswegen es wird Leid kommen.
00:31:52: Es ist nur eine Frage der Zeit!
00:31:53: Ist nicht eine Frage des ob es kommt sondern es ist eine Frage dieser Zeit wann es kommt.
00:31:58: doch da Welchen Trost haben wir Menschen angesichts des Leides, das über uns kommen wird?
00:32:03: Und das ultimative Leid ist und bleibt natürlich der Tod.
00:32:06: Dass das was unser Leben ausmacht unsere Existenz selbst bedroht ist und eines Tages zum Ende kommt – und wir nicht mehr da sein werden!
00:32:17: Manch einer will ja durch sein Werk, durch seine Arbeit weiterleben.
00:32:20: Und wo die Elinysma gefragt worden, ob er nicht auch durch seinearbeit weiterleben möchte und deswegen so viele Filme produziert.
00:32:26: Er sagte nein ich will nicht durch meine Arbeit weiter leben Ich will dadurch weiterleben dass sich nicht sterbe.
00:32:32: Dieser Satz bringt es wunderbar auf den Punkt.
00:32:34: Wir haben in uns diesen Drang wir wollen nicht sterben!
00:32:37: Wir glauben das die Beziehungen und die Liebe die unser Leben wertvoll gemacht haben Dass sie weitergehen, dass die nicht einfach aufhören mit dem Tod.
00:32:44: Wenn es aber Gott nicht gibt danach haben wir es völlig recht, dann ist die Lage des Menschen prinzipiell troßlos.
00:32:50: Wenn es aber Gott gibt und Jesus Christus tatsächlich vor zweitausend Jahren nach der Kreuzigung begraben worden ist und wieder auferstanden ist, auferweckt worden ist vom allmächtigen Gott, der diese ganze Welt und alles Leben geschaffen hat, dann sieht die Situation ganz anders aus!
00:33:07: Dann kann dieser Gott tatsächlich die Strafe und die Konsequenz der Schulden und der Sünde auf sich nehmen und für uns tragen, wie es schon im alten Distament in Jesaja drein-fünfzig vorhergesagt ist.
00:33:19: Dann kann Schuld tatsächlich vergeben werden!
00:33:22: Sie kann vergiben werden durch Gott – und sie kann sogar wieder gut gemacht werden durch God, der überhalb der Zeit steht und der uns eine Ewigkeit ohne Leid versprechen kann und ohne
00:33:32: Schuld.".
00:33:33: Wenn das so ist, dann ist auch Einsamkeit kein Problem mehr.
00:33:36: Denn dann sind wir Menschen vielleicht wie zweidimensionale Wesen im Vergleich zu einem dreidimensionalen Wesen?
00:33:42: völlig durchsichtig für den, der die Bilder auf jetzt in der zweitimensionalen Ebene gemalt hat.
00:33:48: Ein Maler sieht alles aus seinem Bild während zweitemensionale Personen immer nur Renerant der anderen zweitdimensionalen Personen sehen.
00:33:56: Gott kann uns durch und durch durchschauen und selbst wenn wir ihn nicht sehen ist er uns immer nahe.
00:34:01: Wir sind nie allein einsam, weil Gott da ist.
00:34:05: Wie der Psalm dreiundzwanzig vom guten Hürden uns versichert – sogar im dunklen Tal!
00:34:10: Ist Gott mit seinem Stecken und Stab da?
00:34:12: Und tröstet
00:34:13: uns?!
00:34:13: Dann gibt es eben Trost und die Lage des Menschen ist nicht prinzipiell trostlos.
00:34:17: Wir haben immer eine Adresse an die wir uns wenden können, sogar mit der Klage über die Ungerechtigkeit dieser Welt.
00:34:24: Und drittens auch die Leitfrage hat dann eine existenzielle Lösung.
00:34:30: Eines Tages wird Gott schaffen, in der es kein Leid mehr geben wird.
00:34:35: Keinen Tod keinen Schmerz mehr, indem er alle unsere Tränen abwischen wird.
00:34:39: und das finde ich einen ganz revolutionären Gedanken.
00:34:42: Derjenige, der die ganze Welt den ganzen Kosmos, hundert Milliarden Galaxien geschaffen hat, der ist so interessiert an unserem kleinen menschlichen Leben dass er jede einzelne Träne sammelt wie's in den Psalmen heißt und am Ende der Tage abwichen wird.
00:35:00: Das heißt alles was mir weh getan hat wird eines Tages vor Gott zu Wort kommen und er wird es, wird das Leid in seine Hand nehmen und lindern und abwischen und Trost schenken.
00:35:12: Wir werden frei kommen von diesem Leid!
00:35:15: Und es wird eine neue Welt geben ohne Leid.
00:35:18: Das ist etwas was wir uns Menschen nicht vorstellen können.
00:35:20: aber wenn Gott schon diese tolle Welt geschaffen hat die ja auch viel Wunderbares hat dass ihr auch irgendwo herkommen muss Allerdings eben auch eine gebrochene, gefallene vergängliche Welt ist.
00:35:30: Dann können wir diesem Gott das glaube ich zutrauen, dass er eine Welt machen kann die noch besser ist und auch den Tod hat ja dann überwunden.
00:35:40: Jesus Christus ist der Beweis dafür Er dessen Grab leer ist.
00:35:45: Auch die Grabeskirche in Jerusalem Ist auf einem Grab gebaut Das leer ist Und es gibt historisch gute Argumente die dafür sprechen Dass Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden ist.
00:35:56: Sein Leichnam war nicht aufzufinden und seine Jünger gaben ihr Leben für diese Botschaft, dass Jesus auferstand ist von den Toten.
00:36:03: Und das Ganze ohne einen materiellen oder politischen Vorteil!
00:36:09: Dann ist der Tod überwunden?
00:36:10: Dann brauchen wir keine Angst mehr vor dem Tod haben weil wir wissen dürfen nach dem Tod geht es weiter.
00:36:15: Gott bietet uns Versöhnung mit ihm an.
00:36:17: Wir dürfen sein Angebot annehmen und bekommen ewiges Leben in Gemeinschaft mit ihm.
00:36:23: dann gibt es auch echten Trost.
00:36:26: schade dass Jürgen Habermas das aus irgendeinem Grund nie so ganz erfassen konnte, auch wenn er viel damit gerungen hat.
00:36:34: Und jetzt kommt noch was ganz Interessantes als letzter Gedanke.
00:36:38: Fürthens sein letzter Wunsch sozusagen.
00:36:41: Einer seiner letzten öffentlichen Reden und Auftritte war bei einem Vortrag der dann in der Feststrift für den Frankfurter Religionsphilosophen Thomas Schmidt eines seiner Schüler festgehalten worden ist nämlich den Diskurs bestreiten aus dem Nomos-Verlag.
00:36:58: In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt der Kommentator Christian Geier dazu, unter der Überschrift Habermas warnt vor Verflachung der christlichen Glaubensgehalte.
00:37:08: ein Religionsverständnis ist paradox dass seine Glauben Inhalte einklammert und suspendiert für obsolet erachtet und es stattdessen bei einer zuversichtlichen Lebensweise bewenden lässt die sich aus welchen Hoffnungen auch immer speist.
00:37:22: Habermas markiert hier einen langjährigen Dissens mit seinem Schüler Schmidt, der selbst dann noch von einer religiösen Glaubenspraxis spreche, wenn es sich um eine auf die immer nennst zurückgelenkte Glaubenseinstellung handele bei der er ist nicht mehr auf die Glücksseligkeit einer alles innerweltliche transzendierenden Erfüllung ankomme.
00:37:38: Habermass spricht sich also in dieser Rede ganz klar dafür aus dass die christliche Gemeinde – die Kirche – die Jenseits Hoffnung nicht aufgeben darf!
00:37:48: Der christliche Glaube darf nie einfach nur zu einer Selbstvertröstung werden, so wie es Thomas Schmidt seinen Schüler vertritt.
00:37:56: Das kritisiert er!
00:37:57: Das ist Paradox.
00:37:58: Religion ist immer auf Sehensheits angelegt – auf die Dinge, die uns eben eine Lösung dieser existenziellen Fragen also Schuld, Einsamkeit, Leid und Tod versprechen.
00:38:10: Wenn Religion sich davon löst?
00:38:12: Dann hat sie ein Problem dann wird sie zum Erlösungs-Narzismus der Selbstsakralisierung.
00:38:20: Also, der Mensch möchte sich einfach nur noch daran ergötzen dass er sich in irgendeiner Weise selbst trösten kann völlig unabhängig davon welche ontologischen Aussagen mit einem Glauben verbunden sind.
00:38:34: also das führt dazu dass wir am dogmatischen Kern einer monotheistischen Erlösungsreligion nicht mehr festhalten.
00:38:42: Die weniger wir an diesem dogmatischen Kern einer monotheistischen Erlösungsreligion festhalten, desto mehr wird das Ganze eine subjektive postmoderne eigene Selbsterlösung-Religion.
00:38:53: Die aber ohne Substanz ist die keinen Grund mehr hat, keinen Wahrheitsanspruch mehr.
00:38:58: Das bezeichnet Schmidt immer noch als religiöse Glaubenspraxis.
00:39:01: Habermas lehnt das ab.
00:39:04: Es geht nicht einfach darum Einer immer wieder extertisch verjüngten Hoffnung sozusagen nachzufolgen die auf Gefühlen basiert auf einem selbst sich einreden.
00:39:14: Nein, das wäre eine Theologie oben ohne.
00:39:17: Eine Theologie ohne Transcendenzbezug!
00:39:19: Kirche muss immer den Blick auf die christliche Hoffnung haben, die in der Historie würzelt – nämlich in der Auferstehung von den Toten und der Erlösung von allen Übeln dieser Welt und wiederum abhängig vom Glauben an die Verheißungen Gottes
00:39:34: ist.".
00:39:35: Das ist der Punkt, an dem Habermas sich selbst immer wieder gerieben hat.
00:39:38: Aber wenn dieser Punkt von der Kirche nicht mehr vertreten wird, dann hat Haber-Mas selbst ein Problem mit seiner eigenen Morallehre – denn er braucht diesen Gegenspieler, die einen ontologischen Anspruch erhebt!
00:39:50: Und der Akt des Glaubens an das Eintreten des Vereisenen prägt auch den Modus des täglichen Lebens.
00:39:56: Wenn ich überzeugt bin, eines Tages wird alles übel von Gott aus der Welt geschafft werden.
00:40:00: Dann kann ich eben jetzt schon in dieser Verheißung dafür eintreten dass auch jetzt schon übel beseitigt werden sollen weil sie diese nicht im letzten Willen Gottes verankert sind sondern weil Gott selbst diese beseitelten will.
00:40:15: wenn mein Glaube davon losgelöst ist dann kann ich einfach wegschauen dann kann sich irgendwie eine Hoffnung erfinden aber die hat keine Substanz mehr Und ich glaube, das ist ein ganz toller letzter Wunsch den Habermas uns Christen mitgegeben hat.
00:40:34: Bleibt bei den Aussagen beim Glaubensbekenntnis der christlichen Religion!
00:40:39: Glaubt das was da drin steht?
00:40:41: Nehmt es nicht einfach nur als einen frommen Wunsch sondern glaubt es dass es Realität ist?
00:40:49: denn nur dann kann es wirklich auch zu echter Hoffnung führen.
00:40:53: Hoffnung hängt nämlich von dem ab, was ich für wahr halte und nicht von dem, was sich mir einfach erträume.
00:41:00: Hoffnung braucht gute
00:41:01: Gründe.".
00:41:02: Und das ist auch der Grund warum es diesen Podcast gibt – den Begründet-Glauben-Podcast!
00:41:07: Wir glauben dass der christliche Glaube gute Grunde hat und das haben wir schon in über dreihundert Folgen bis jetzt dargestellt.
00:41:15: Und von daher wünsche ich Ihnen lieber Hörer, denken Sie darüber nach, gibt es gute Grände für die Hoffnung, die wir als Christen Und die auch zu einer Ethik führt, die uns eine tolerante Gesellschaft garantiert und die uns einen egalitären Universalismus garantiert.
00:41:32: Eine Gesellschaft in der wir alle vor Gott gleichermaßen uns verantworten müssen und von Gott die Zusage haben in seinem Ebenbild geschaffen worden zu sein.
00:41:41: Wir sind alle potenzielle Kandidaten für die Ewigkeit!
00:41:44: Aber Gott zwingt uns nicht – erlädt uns vollkommen frei dazu
00:41:48: ein.".
00:41:48: Und diese Einladung gebe ich gerne Ihnen lieber Hörer nochmal weiter.
00:41:53: Dankeschön!